Blatt mit Vesicaförmigen Wasserperlen

Die Kraft der Vesica

1920 1199 Elisabeth Karsten

Ich war auf der Suche nach einem Symbol und einem potenziellen Logo, das wirklich zu mir und meiner Arbeit passt. Dabei faszinierte mich zunächst das Bild zweier sich überschneidender Kreise. Die dabei entstehende  die geometrische Form der sogenannten ‚Vesica Piscis‘. Sie symbolisiert die Begegnung und Vereinigung zweier unterschiedlicher Elemente.

Reduktion aufs Wesentliche

Ich entschied, die Vesica ohne die Kreise zur Grundlage meines Logos zu machen. In der Kunstgeschichte heißt diese Linsenform Mandorla – (ital. für Mandel) und bezeichnet einen Ganzkörperheiligenschein, oder die menschliche Aura. Sie ist außerdem ein Symbolzeichen für unser Auge. Sie spielt eine große Rolle in der euklidischen Mathematik und ist häufig in Wappen zu finden. Außerdem begegnet sie uns in mehr oder weniger abgewandelter Form überall in der Natur: beispielsweise bei Blättern, bei Obstkernen (quasi 3D) und bei der Überschneidung von (Schall)wellen.

Ein Symbol für den Ursprung des Neuen

Vor allem aber ist die Vesica der erste Schritt zur Entstehung der Blume des Lebens. Damit ist sie wesentliches Element der sogenannten Heiligen Geometrie, die unserer gesamten natürlichen Schöpfung zugrunde liegt. Denn wenn zwei Kreise sich überschneiden und zwei ursprünglich getrennte Dinge sich so vereinen, kann daraus etwas neues entstehen. Es beinhaltet zwar noch das alte und bringt doch etwas völlig neues zum Ausdruck. Wie beispielsweise im Zeugungsakt, wenn die Gene von Mutter und Vater sich vereinigen und daraus ein Kind mit einer eigenen, neuen Genetik entsteht. Im Übrigen entspricht die Vesica auch der symbolischen Form der weiblichen Scheide, aus der ein Kind geboren werden kann.

Vereinigung von scheinbar gegensätzlichem

Die Vesica symbolisiert beispielsweise die Vereinigung von Kunst und Wissenschaft oder von Himmel und Erde. Aber auch von männlich und weiblich, von Sichtbarem und Unsichtbarem, von Gedanke und Gefühl, und schon seit der Antike, von Materiellem und Göttlichem. Sie weist damit nicht nur auf unsere physische Schöpfung hin, sondern auch auf unsere metaphysische und auf deren heiligen Ursprung.

Diese beiden Gegensätze, die sich in der Vesica vereinen, werden in meinem Logo durch die beiden Wellen dargestellt, die natürlich irgendwann zu einer Welle verschmelzen.

Sie führt über die Dualität hinaus

In dieser Begegnung von zwei ursprünglich gegensätzlichen Dingen, die ihre Trennung transzendieren und sich zu etwas Neuem vereinen, indem doch alles vorherige enthalten ist, sehe ich einen Hinweis auf unsere Bewusstseinsfähigkeit über die Dualität, wie sie beispielsweise durch das Yin-Yang Symbol ausgedrückt wird, hinauszuwachsen.

Es geht vor allem um das, was uns verbindet

Und für mich ganz persönlich bedeutet sie grundsätzlich, dass wir unsere Aufmerksamkeit vor allem auf das richten, was uns miteinander verbindet. Denn damit schaffen wir die Möglichkeit für die Freisetzung des höchsten Potenzials, welches jeder unserer Begegnungen innewohnt. So wird allen Beteiligten letztlich ein größeres Wachstum im Bewusstsein ermöglicht, als es alleine und in der Trennung je machbar wäre.

Ich finde das ausgesprochen beglückend und inspirierend!