Schriftzug YS

YS Ausschnitte Teil 2 :: DER SCHLÜSSEL

Zitate

„Es geht nicht nur um Vernunft – sondern, darum, dass du womöglich deine Fähigkeiten missbrauchst – denn dann werden wir alle untergehen.“ „So mächtig bin ich nicht!“ widersprach Ahez. „Doch, das bist du.“ sagte die Aia ernst und ergänzte, kaum wahrnehmbar: „Leider.“

“Vielleicht sind die Erdgeister hier Nichtraucher? Vielleicht sollten wir es mit Schokolade versuchen?“

„Wer sind wir eigentlich, wenn wir nicht gerade Joe und Norea bzw. Ahez und Vytosco sind?“

Auszug 1

Schließlich hatten die erfolgreichen Jäger sich ausreichend abgekühlt und ritten voller Stolz und Vorfreude nach Hause. Der ereignisreiche Tag hatte sie hungrig gemacht und sie konnten es kaum abwarten, das frische Wild köstlich zubereitet auf ihren Tellern zu haben!
Die Burg war schon in Sichtweite, als ein Schwarm schwarzer Schwäne hoch über ihnen durch den tiefblauen Sommerhimmel zog. Kadvael, Kireg und Vytosco ritten am Ende des Jagdzuges und reckten die Köpfe nach hinten. „Es sind sieben und sie fliegen wohl über die Festung.“ mutmaßte Kireg. „Sie fliegen verdammt hoch!“ stellte Kadvael fest und Vytosco verstand dies als Herausforderung. „Nicht so hoch, als dass man nicht einen von ihnen mit einem gezielten Schuss treffen könnte!“ entgegnete er und nahm seinen Bogen zur Hand. Kadvael und Kireg sahen den Iberer entsetzt an. Doch Vytosco missdeutete ihren Gesichtsausdruck und ließ den Pfeil in die Luft schnellen. „Das geht nicht!“ konnte Kadvael nur noch flüstern, als er Vytoscos Pfeil bereits senkrecht in die Höhe fliegen sah. Kireg flehte in Gedanken, dass der Pfeil die Schwäne verfehlen möge. Doch da stieß eines der Tiere einen furchtbaren Schrei aus, taumelte mit ausgebreiteten Schwingen durch die Luft und lag schließlich vor ihnen, den Pfeil in der Brust. Kadvael fluchte: „Verdammt!“ „Venetern ist das Schießen von Schwänen nicht gestattet. Sie sind uns heilig.“ erklärte Kireg entsetzt. Kadvael sah Vytosco an und bemerkte: „Dieses Tabu zu brechen, wird schwer bestraft.“ Die Reaktion der Brüder überraschte Vytosco über die Maßen. Betroffen erwiderte er: „Aber ich bin doch gar kein Veneter!“ „Es ist Vaters Sache, in dieser Angelegenheit zu entscheiden.“ sagte Kireg mit belegter Stimme. Die Brüder betrachteten den sich windenden Schwan. „Bitte Ihr tötet ihn ganz. Wir dürfen ihn nicht berühren.“ sagte Kadvael zu Vytosco. Doch Kireg hatte sich prüfend über den Vogel gebeugt und meinte: „Vielleicht ist er doch noch zu retten…“ Vytosco hätte alles in dem Moment dafür gegeben, seine Tat rückgängig zu machen und fragte hoffnungsvoll: „Wer kann dem Schwan helfen?“ „Ahez!“ antworteten die Brüder wie aus einem Mund und Vytosco stöhnte: „Sie wird mich dafür hassen!“ Die Brüder wechselten einen Blick und Kadvael konnte nur mit Mühe ein zufriedenes Lächeln unterdrücken. Dann halfen sie Vytosco, so weit es ihre Regeln zuließen, dem Schwan Füße und Flügel zusammen zu binden, damit er sich tragen ließ.
Dass Vytosco einen Schwan erschossen hatte, verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf der Burg. In die Debatten über das unerhörte Vergehen mischte sich aber auch die Bewunderung für Vytoscos unglaubliches Können als Bogenschütze und die Zuversicht, dass die Prinzessin dem verletzten Tier würde helfen können. Sobald sie auf der Burg ankamen, begab sich Vytosco mit dem Vogel in den Armen und in Begleitung von Kadvael und Kireg zu Ahez Gemächern. Sie kam ihnen bereits im Erdgeschoß entgegen und hieß Vytosco, den Schwan auf dem steinernen Tisch in der Küche abzulegen. Dann schickte sie alle weg. Sie wollte mit dem Tier allein sein. Sofort hörte sie die Stimme des Schwans in ihrem Geiste, doch sie war kaum mehr verständlich – er war längst dabei zu sterben. Der Pfeil hatte den Körper des Tieres am Halsansatz durchbohrt. Das Blut war in Rachen und Brust geflossen und nun erstickte der Vogel daran. Ahez wusste, dass das einzige, was sie noch für das Tier tun konnte, war, sein Leiden schnell zu beenden.
Sie nahm ein Beil von der Wand, fasste es mit beiden Händen und durchschlug den Hals des Scwhans. Dabei vernahm sie in ihrem Geist die letzten Silben des Schwans: „…lose Erde“. Sie segnete den Schwan und entschuldigte sich im Namen des ahnungslosen Iberers bei der Schwanenseele und den Göttern. Außerdem bat sie auch die Sonnendienerinnen um Verständnis. Dann ging Ahez in den Hof, wo die drei Männer auf sie warteten. An den Blutspritzern auf ihrem Gewand sahen sie, dass sie das Tier nicht hatte retten können. Ahez brauchte nicht zu fragen, wie es zu dem Unglück gekommen war. Die Gedanken ihrer Brüder konnte sie ohne weiteres lesen und Vytoscos Gesichtsausdruck spiegelte traurige Verzweiflung und den Wunsch nach Wiedergutmachung.

Auszug 2

Obwohl Joe und Norea todmüde ins Bett gesunken waren, hatten beide unruhig geschlafen. Ausnahmsweise wachte Joe kurz vor Norea auf. Es war kurz vor acht. Joe meditierte, während Norea nur mit Mühe in die Gegenwart eines verregneten englischen Sommermorgens zurück fand. Sie hatte wüst geträumt und war noch ganz verstört. Joe konnte fühlen, dass ihre Energien auf allen Ebenen heftig in Bewegung waren. Norea setzte sich im Bett auf. Sie stopfte das Kopfkissen in ihren Rücken, zog die Knie an und beobachtete, wie die Regentropfen die Fensterscheibe herunter rannen. Joe beendete seine Meditation und wandte sich dann Norea zu. „Irgendwelche nennenswerten nächtlichen Vorkommnisse?“ fragte er sonnig. Norea war noch zu zerknittert, um auf seinen spaßhaften Ton einzugehen. „Ich hab ja wohl einigermaßen durchgeschlafen, aber dafür beschissen geträumt!“ sagte sie, noch heiser. „Magst du’s teilen?“ fragte Joe. Norea sah ihn bekümmert an und erklärte: „Ich glaub‘ dein Satz gestern, dass wir Menschen tötende Wesen sind, hat mich mitgenommen!“ „Erzähl doch erst mal deinen Traum und dann überlegen wir, was er bedeuten könnte?“ schlug Joe vor. Norea nickte und begann: „Ich stand in so einer ganz altmodischen Küche. So mit Kessel über’m Feuer und tausend Messern an der Wand und Ruß an den Wänden.“ Joe nickte und Norea hielt einen Moment inne. Es war schwer für sie, das Folgende zu schildern. Sie atmete tief durch, dann fuhr sie fort: „Und vor mir auf einem großen weißen Steintisch lag ein schwarzer Schwan mit ausgebreiteten Flügeln in einer riesigen roten Blutlache und sah mich entsetzlich traurig an.“ Noreas Augen füllten sich mit Tränen und mit Mühe sprach sie weiter: „Der Schwan hatte einen Pfeil im Hals, der ihn durchbohrt hatte. Und ich wusste, ich sollte dem Schwan helfen. Aber ich konnte es nicht. Der Schwan hatte schon zu viel Blut verloren. Und das einzige, was ich für ihn tun konnte war, sein Leiden möglichst schnell zu beenden. Also habe ich mich in der Küche umgesehen und an der Wand ein Beil entdeckt.“ Norea atmete erneut hörbar durch. Dann fuhr sie fort: „Und dann habe ich mit beiden Händen dieses Beil genommen und dem Schwan den Kopf abgehackt!“ Noreas Gesicht verzerrte sich in der Erinnerung an den Ekel. Zögernd beschrieb sie das Geschehen weiter: „Sein Hals zuckte und das Blut floss heraus und tränkte die Federn. Und der Kopf lag da und sah mich mit großen, toten Augen an.“ Joe nickte mitfühlend und Noreas Stimme wurde leiser während sie fortfuhr: „Nur zwei Worte blieben irgendwie übrig. So etwas wie ‚lose Erde’. Ich stand nur da und hatte das Gefühl, dass es jetzt gar keinen Ausweg mehr gibt – dass das irgendwie der Anfang vom Ende ist. Ein echt beschissenes Gefühl!“ Noreas Wangen hatten sich gerötet, ihre Atmung war flacher geworden und Tränen strömten ihr über das Gesicht. Um sie etwas zu beruhigen, wollte Joe ihre Hand nehmen. Aber Norea zog sie zurück, sah ihn bestürzt an und sagte: „Dann habe ich dir gesagt, dass du den toten Schwan ins Wasser werfen sollst. Aber du mich ganz komisch angesehen und ich hatte das Gefühl, irgendwie ist das alles deine Schuld!“ Schon während Norea ihren Traum schilderte, waren Joe verschiedene Gedanken dazu gekommen und der letzte Satz bestätigte seine Ahnung. Mitfühlend fragte er: „Tee?“ „Ach ja, bitte!“ sagte Norea und wurde etwas wacher. Erstaunlich welche Wirkung schon das Wort „Tee“ auf sie hatte, amüsierte sich Joe. Er hinkte zum Wasserkocher. „Möchtest du hören, was mir zu dem Traum einfällt?“ fragte er vorsichtig. Norea nickte und sah ihn aufmerksam an. Joe ordnete kurz seine Gedanken und begann: „Also, der Schwan ist ein sehr starkes Symbol. Der weiße Schwan steht für Reinheit, für Anmut und die Seele selbst. Außerdem hat er einen starken Bezug zur Liebe: Schwäne sind monogam und bleiben oft ihr ganzes Leben zusammen.“
„Aber es war ein schwarzer Schwan!“
„Ich vermute, er steht für die noch verborgenen Aspekte der Seele – die noch nicht transformierten Dunkelseiten, wenn du so willst…“

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